Vom Fantasy-Rollenspiel zum Detektivroman – Über die Entstehung von „Des Teufels Mörder“ (Teil 2)

Einleitung
Teil 1: Die Anfänge
Teil 2: Jetzt oder nie!
Teil 3: Die Charaktere
Teil 4: Fantasy ade (leichte Handlungsspoiler)
Teil 5: Brüder Carroux, euer Auftritt! (massive Handlungsspoiler)
Teil 6: Wie ein Schneekristall

Jetzt oder nie!

Spulen wir etwa sieben Jahre nach vorn. Im Herbst 2010 war ich gerade am Ende meines Studiums, hatte an der Uni nicht mehr viel zu tun, sah am Horizont aber schon das Joch regelmäßiger Lohnarbeit heraufziehen, die mir – so meine Vermutung – auf lange Sicht die Zeit für größere Freizeitprojekte nehmen würde. Einen Roman hatte ich schon seit meiner Jugend schreiben wollen, wenngleich Wunsch und Realität weit auseinanderklafften: Ein paar Romananfänge, ein paar Kurzgeschichten, zusammen vielleicht 60 Seiten; mehr Erzähltext hatte ich nie zu Papier gebracht. Also dachte ich mir, wenn nicht jetzt, wann dann?

Die früheren Romane hatte ich meist ohne klare Vorstellung von Handlung und Figuren frei nach Tolkiens einleitenden Worten seines „Der Herr der Ringe“ begonnen, wo es heißt: „Diese Erzählung wuchs und wuchs, während ich sie erzählte.“ Bei mir war daraus aber immer ganz schnell ein „Diese Erzählung manövrierte ich nach etwa 15 Seiten in eine Sackgasse, aus der ich sie nicht mehr herausbekam, weswegen ich sie dann zu den Akten legte.“ geworden.

Das sollte mir dieses Mal nicht passieren. Also beschloss ich, auf eine Geschichte zurückzugreifen, die ich mir schon von Anfang bis Ende ausgedacht hatte. Und damit trat Kapitän Lachlan wieder auf den Plan. Aus meiner Sicht hatte das Rollenspiel-Abenteuer neben seiner Vollständigkeit den Vorteil, dass es nur einem Handlungsstrang folgte und insgesamt stark auf Spannung ausgelegt war, was mir für ein Debüt eines völlig unerfahrenen Schreibers geeigneter erschien als drei Handlungsstränge, nicht chronologisch erzählt und mit fünfzehn Hauptfiguren, die in zehnseitigen Monologen über ihr Innerstes reflektieren.

Ich nahm mir also meine alten Unterlagen vor und überlegte, was ich noch brauchte, um aus einem Rollenspiel-Abenteuer einen Roman zu machen.

 



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