Vom Fantasy-Rollenspiel zum Detektivroman – Über die Entstehung von „Des Teufels Mörder“ (Teil 3)

Einleitung
Teil 1: Die Anfänge
Teil 2: Jetzt oder nie!
Teil 3: Die Charaktere
Teil 4: Fantasy ade (leichte Handlungsspoiler)
Teil 5: Brüder Carroux, euer Auftritt! (massive Handlungsspoiler)
Teil 6: Wie ein Schneekristall

Die Charaktere

Die erste Überlegung war eine ganz offensichtliche. Rollenspiel-Abenteuer zu schreiben, bedeutet, eine Abfolge von Situationen, Hintergrundinformationen und Wendepunkten zu gestalten, die man den Spielern dann präsentieren kann, um zu schauen, wie sie darauf reagieren. Man denkt sich zwar Nebenfiguren aus, die diese Szenarien bevölkern, allerdings keine Hauptcharaktere, denn dieser Part wird ja von den Spielern übernommen.

Für einen Roman benötigte ich aber ordentliche Protagonisten, denn man will ja nicht nur Figuren haben, die sich von Ereignis zu Ereignis schleppen, sondern die auch lebendig wirken. Eine Ermittlerfigur war für einen Krimi natürlich obligatorisch. Der Name Everd Edinger war schnell gefunden, und um ihm ein wenig Hintergrund zu geben, bediente ich mich bei einem anderen meiner Rollenspiel-Abenteuer mit dem Titel „Das Amara-Problem“, das ich kurzerhand zu Everds Vorgeschichte machte. Schließlich fügte ich noch eine Prise „Held wider Willen“ hinzu und bekam so einen Ermittler von den Straßen Frankfurts, mit nicht ganz sauberer Vergangenheit und einem ironisch abgebrühten Blick auf die Welt. Das passte, denn zum einen sollte Everd natürlich nicht flach wirken, auf der anderen Seite aber auch kein gebrochener Ermittler nach skandinavischem Muster sein, da ich mir den Ton des Romans weniger düster als abenteuerlich vorstellte.

Besonders wichtig war es mir auch, Everds detektivische Fähigkeiten nicht zu übertrieben erscheinen zu lassen. An einer Stelle des Romans sagt er: „Mein Verstand ist nicht heller als der anderer Menschen. Ich gebrauche ihn nur besser.“ Und genau das habe ich versucht, beim Schreiben umzusetzen. Der Leser erhält alle relevanten Informationen zeitgleich mit Everd, dennoch – so hoffe ich zumindest – ist Everd ihm immer einen Schritt voraus, womit die Cleverness des Ermittlers verdeutlicht wird.

Nachdem ich Everd umrissen hatte, beschloss ich recht schnell, ihm eine zweite Hauptfigur zur Seite zu stellen, um durch die Dynamik der beiden und ihre Gespräche die Ermittlungsarbeit auflockern zu können. Im Rollenspiel gab es eine Figur namens Elora Bergwardt, die die Abenteurer bittet, ihren verschollenen Mann, einen Fischer, zu suchen. Im Fischerdorf selbst ist Elora dann die erste Ansprechpartnerin der Helden, da sie die lokalen Gegebenheiten kennt.

Für „Des Teufels Mörder“ teilte ich Elora in zwei Figuren auf. Zum einen in Agatha Rothenberger, die Frau des verschwundenen Knechtes, und zum anderen in die Hauptfigur Ella Farning, die nicht weniger ironisch als Everd ist, manchmal geradezu sarkastisch, die aber insgesamt eine positivere Grundeinstellung als der Ermittler und zudem ein persönliches Interesse an dem Fall besitzt, wodurch sich einige Reibungspunkte zwischen den beiden Hauptcharakteren ergeben. Zuletzt gab ich Ella dann noch eine gemeinsame Vergangenheit mit Everd, um schon von Anfang an eine intensivere Beziehung zwischen den beiden zu etablieren.

Mit den beiden Hauptfiguren und auch dem restlichen Personal des Romans, gerade den Gegenspielern, bin ich im Nachhinein wirklich zufrieden, ich denke aber doch, dass „Des Teufels Mörder“ seine Rollenspielvergangenheit nicht verhehlen kann und sehr – wie man so schön sagt – „plot driven“, also auf die Handlung fokussiert, daherkommt.



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