Vom Fantasy-Rollenspiel zum Detektivroman – Über die Entstehung von „Des Teufels Mörder“ (Teil 4)

Einleitung
Teil 1: Die Anfänge
Teil 2: Jetzt oder nie!
Teil 3: Die Charaktere
Teil 4: Fantasy ade (leichte Handlungsspoiler)
Teil 5: Brüder Carroux, euer Auftritt! (massive Handlungsspoiler)
Teil 6: Wie ein Schneekristall

Fantasy ade

(Vorsicht! Leichte Handlungsspoiler)

Ich weiß nicht mehr genau warum, aber aus irgendeinem Grund hatte ich, als ich 2010 mit dem Schreiben begann, keine Lust auf Fantasy. Vielleicht schien mir das Genre zu sehr beackert, vielleicht habe ich mir auch nicht zugetraut, gleich bei meinem ersten Schreibversuch eine ganz eigene Welt zu erschaffen. Auf jeden Fall beschloss ich, die gesamte Handlung in unsere Gegenwart zu verlegen und einen realistischen Ansatz zu versuchen.

Damit stieß ich auf Probleme: Zwar war „Kapitän Lachlans Rache“ für eine Fantasy-Geschichte nicht allzu fantasylastig, sondern ein recht geerdetes Detektiv-Abenteuer, aber eben doch eines mit Geisterpiraten, egal ob echt oder unecht, Schiffen, die durch Felsen gleiten, und Unterwasserwesen. Komplett konnte ich all diese Elemente nicht streichen, denn sie waren so tief in die Handlung verwoben, dass ich dann doch wieder eine völlig neue Geschichte hätte entwerfen müssen.

Die wichtigste Maßnahme, die ich traf, um dieses Problem zu umgehen, bestand darin, „Des Teufels Mörder“ doch nicht in der Gegenwart anzusiedeln, auch nicht in einer mittelalterlichen Welt, sondern im 19. Jahrhundert. Ich sah diese Zeit als eine Epoche, in der sich auf der einen Seite das rationale Denken der Aufklärung schon voll durchgesetzt hat, in der auf der anderen Seite – vielleicht gerade auf dem Land – ein naiver Aberglaube aber noch immer plausibel erscheint.

Diese zeitliche Einordnung eröffnete mir deswegen die Möglichkeit, die stärkeren Fantasyelemente in den Bereich des Aberglaubens zu schieben. Statt , wie in einer Fantasy-Erzählung, tatsächlich mit phantastischen Phänomenen konfrontiert zu sein, denken die Menschen in „Des Teufels Mörder“ nur, mit phantastischen Phänomenen konfrontiert zu sein. In Teil 5 dieses Making ofs werde ich versuchen, das noch mal anhand eines Beispiels zu verdeutlichen, das allerdings so viel über die Handlung verraten wird, dass man es lieber erst lesen sollte, wenn man den Roman schon kennt.



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