Vom Fantasy-Rollenspiel zum Detektivroman – Über die Entstehung von „Des Teufels Mörder“ (Teil 5)

Einleitung
Teil 1: Die Anfänge
Teil 2: Jetzt oder nie!
Teil 3: Die Charaktere
Teil 4: Fantasy ade (leichte Handlungsspoiler)
Teil 5: Brüder Carroux, euer Auftritt! (massive Handlungsspoiler)
Teil 6: Wie ein Schneekristall

Brüder Carroux, euer Auftritt!

(Vorsicht! Massive Handlungsspoiler. Lieber erst nach der Lektüre von „Des Teufels Mörder“ lesen.)

Ich entschied mich also, wie in Teil 4 dieses Making ofs beschrieben, die Fantasy-Elemente von „Kapitän Lachlans Rache“ für „Des Teufels Mörder“ in den Bereich des Aberglaubens zu verschieben.

Nehmen wir mal ein ganz konkretes Beispiel: In „Kapitän Lachlans Rache“ geht einem Fischer eines kleinen Küstenörtchens ein ganz besonderer Fang ins Netz, nämlich ein Mitglied eines menschenähnlichen, aber im Meer vor der Küste lebenden Seevolkes. Das Seevolk zwingt daraufhin einige Menschen, die Gefangene zu befreien. Diese Menschen wiederum beschließen, sich mithilfe eines magischen Felsschiffes als Geisterpiraten zu verkleiden und die Dorfbewohner so sehr in Angst und Schrecken zu versetzen, dass diese das Seewesen wieder herausgeben.

Puh, ein Seevolk und ein magisches Geisterschiff also, für die ich realistischen Ersatz finden musste, der die gleichen dramaturgischen Funktionen erfüllen sollte. Wie im Rollenspiel wollte ich im Roman außerdem Themen wie die Angst vor dem Unbekannten, Vorurteile, Diskriminierung und die Differenz zwischen Vorstellung und Wirklichkeit behandeln. Der Ersatz musste also etwas sein, das den Bewohnern von Solkers fremd und seltsam vorkommen, das sie vielleicht sogar in Angst versetzen, sie aber auch faszinieren konnte. Meine Lösung war schließlich das mit Behaarung am ganzen Körper, der sogenannten Hypertrichose, geborene Brüderpaar Balthasar und Vincent Carroux.

Menschen mit Hypertrichose wurden – und werden es wahrscheinlich leider in vielen Fällen noch immer – in der Vergangenheit oft als Launen der Natur betrachtet, ihnen wurde vielfach ihr Menschsein abgesprochen, indem man sie zum Beispiel als „Wolfsmenschen“ deklarierte, und selbst der Werwolfmythos könnte auf sie zurückgehen. Sie waren allerdings auch ein Objekt des Interesses, traten in Wanderzirkussen auf oder lebten als Kuriositäten an Fürstenhöfen.

Im Roman spielt Balthasar nun eine ähnliche Rolle wie das Seewesen im Rollenspiel-Abenteuer, Vincent tritt in die Fußstapfen der Geisterpiraten, auch wenn seine Strategie nicht darin besteht, die Dorfbewohner zu erschrecken, was er aber durch sein heimliches Treiben im Dorf dennoch tut. Mit den Carrouxs konnte ich also von den genau gleichen Reaktionen bei den Dorfbewohnern erzählen und die gleichen Themen verarbeiten, wie es mir mit dem Unterseevolk und den Geisterpiraten möglich gewesen war, ohne dass die Brüder irgendetwas mit Fantasy zu tun hätten.

 

 



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